EU-Studie zur Förderung der Biomasseproduktion aus Holz



Mit dem Ziel, 20% des europäischen Stromverbrauchs mit Ökostrom zu bewältigen, steht die Verdopplung des Anteils erneuerbarer Energiequellen in Europa bis zum Jahr 2020 ganz oben auf der EU-Agenda. Bei einem solchen Plan wird die Nachfrage nach Holz steigen, denn Holz und Holzabfälle spielen seit jeher eine entscheidende Rolle in Europa und decken rund 50% der erneuerbaren Energiequellen ab. Die große Frage lautet also: Wird es genug Holz geben, um Europas Nachfrage zu befriedigen? Mit Unterstützung der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission (GD Energie) nahm sich das Projekt EUWOOD ("Real potential for changes in growth and use of EU forests") dieser Herausforderung an und bietet jetzt neue Einblicke in die Versorgung mit Holz-Biomasse .

Seit 2000 hat sich der weltweite Markt für Forstprodukte stark verändert. Im Vergleich zu unseren Vorfahren, die mit Holz ihre Häuser heizten, stellt die industrielle Energieerzeugung aus Holz eher eine Revolution dar. Zum Beispiel wird Holz in der Industrie als Rohstoff für die Herstellung von chemischen Erzeugnissen genutzt. Folglich wird die Bewertung wirtschaftlicher und forstpolitischer Entscheidungen immer schwieriger, weil der Markt für Forstprodukte immer komplexer wird.

Vor diesem Hintergrund setzten die EUWOOD-Partner das Tool "Wood Resource Balance" ein, um die Nachfrage nach Holz für Energie und Waren mit dem potenziellen Holzangebot aus Wäldern und anderen Quellen in der EU-27 zu vergleichen. Ihren Erkenntnissen zufolge kann ein Anstieg des Angebots an Holz-Biomasse aus europäischen Wäldern den derzeitigen Stand der Ressourcennutzung übersteigen, wenn die EU eine umfassende Strategie umsetzt und schnelle und radikale politische Entscheidungen trifft.

Das EUWOOD-Konsortium berechnete das theoretische Biomassepotenzial aus EU-Wäldern mit fast 1,3 Mrd. Kubikmeter im Jahr 2010. Insbesondere das Stammholz macht rund 50% dieses Potenzials aus, die andere Hälfte besteht aus Waldrestholz, Baumstümpfen und Holzbiomasse aus Durchforstungen junger Wälder. Aufgrund von ökologischen, technischen und gesellschaftlichen Zwängen beträgt das tatsächliche Potenzial allerdings nur 750 Mio. Kubikmeter, wobei sich das bei Biomasse aus Durchforstungen, Baumstümpfen und Waldrestholz am stärksten bemerkbar macht.

Eine ökologische Einschränkung zum Beispiel ist die Senkung der Biomasseproduktion auf mageren Böden, um den Verlust von Nährstoffen zu verhindern. Eine technische Einschränkung kann die Tragfähigkeit des Bodens sein, da eine Holzernte auf weichen Böden nur eingeschränkt möglich ist. Ein sozialer Zwang dagegen steht im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Biomasse aufgrund von Veränderungen in der Eigentümerstruktur von Wäldern. Anzumerken ist, dass keine umfassende Folgenbewertung einer intensiveren Beerntung durchgeführt wurde.

Mithilfe von Mobilisierungsszenarien wurde im Rahmen von EUWOOD das Potenzial von Holzbiomasse bewertet. Die Forscher konzentrierten sich beispielweise auf die öffentliche Meinung über die Nutzung von Holz. Auf der einen Seite kann das Biomassepotenzial von Holz auf 898 Mio. Kubikmeter im Jahr 2030 ansteigen, wenn die Europäer auf die Verwendung von Holz zur Energiegewinnung und zu anderen Zwecken Wert legen. Andererseits könnte das Potenzial auf 625 Mio. Kubikmeter sinken, wenn mögliche negative Umweltauswirkungen durch eine verstärkte Nutzung von Holz als entscheidend angesehen werden. Wirtschaftliche Faktoren wie etwa Beschaffungskosten könnten ebenfalls zu einem größeren Rückgang des Potenzials beitragen.

Eine Fallstudie in der finnischen Region Nordkarelien kommt zu dem Ergebnis, dass das Biomassepotenzial sogar um 28% schrumpfen könnte, wenn die Zahlungsfähigkeit eines Nutzers von Waldrestholz um 4% sinkt.

Die EUWOOD-Partner empfehlen, dass das Holzangebot - sowohl aus Wäldern als auch aus anderen Quellen - gefördert werden sollte, um Europa auf die wachsende Nachfrage einzustellen. Allerdings könnte auch die Nachfrage nach Holz sinken, wenn Europa die Energieeffizienz fördert und andere erneuerbare Energiequellen auf der Basis von Holzwerkstoffen erschließt.

Unter der Leitung des Zentrums Holzwirtschaft an der Universität Hamburg in Deutschland kamen für EUWOOD Experten des Europäischen Forstinstituts, der Abteilung für Forstwirtschaft von UNECE/FAO (Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa/ Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen), dem Institute for Forestry and Forest Products in den Niederlanden (PROBOS) und dem Finnish Forest Research Institute (METLA) in Vantaa zusammen.

Quellenangabe: CORDIS, http://cordis.europa.eu/

Autor:
Holzi am 16. Jan. 2011 um 08:46 Uhr
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