Frauenpower im Handwerk



Die Zahl junger Frauen, die im Handwerk eine Lehre beginnen, ist auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren bei 26,7 Prozent. Plus auch bei den Meisterprüfungen: Jeder fünfte Handwerksmeister ist weiblich. Diese Zahlen nannte Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (22. August 2009).

Im Kampf gegen drohenden Fachkräftemangel und auf der Suche nach Lehrlingen will das deutsche Handwerk gezielt junge Ausländer ansprechen. Wie sieht die Situation der Frauen im Handwerk aus?

Schleyer: Die Chancen junger Frauen sind so gut wie nie zuvor. Mit 26,7 Prozent zählen wir den höchsten Anteil bei den Ausbildungsanfängern seit 20 Jahren. Von 170 195 neuen Verträgen wurden im vergangenen Jahr 45 426 mit Mädchen geschlossen. Dazu ist jeder fünfte Meister eine Frau - auch hier geht die Tendenz nach oben. Besonders positiv: Frauenpower im Handwerk entwickelt sich zunehmend in den typischen Männerberufen, zum Beispiel im Baugewerbe ist immer öfter eine Frau der Chef.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) arbeitet nach eigenen Angaben mit Hochdruck an einem Industrie-Konzept. Bedauern Sie, dass der Minister einen vorab bekannt gewordenen Entwurf zurückgezogen hat? Schließlich beinhaltet diese "Stoffsammlung" weitreichende Verbesserungen für die Wirtschaft....

Schleyer: Wie immer die politischen Konstellationen aussehen: In der nächsten Wahlperiode muss jede Bundesregierung die Bedingungen für die Wirtschaft weiter verbessern. Die Mittelstandspolitik der Großen Koalition war eine Grundlage dafür, dass Mittelstand und insbesondere Handwerk in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise zur Stabilität im Land beitragen. Daran gilt es anzuknüpfen. Im Handwerk beispielsweise ist die Entwicklung vergleichsweise stabil – in 2009 voraussichtlich Umsatzverluste von minus 2 Prozent und 25 000 bis 40 000 weniger Arbeitsplätze.

Was genau erwarten Sie vom Wirtschaftsminister?

Schleyer: Dass er an einer wachstumsorientierten Wirtschaftspolitik festhält. Flexiblere Arbeitszeiten, Korrekturen bei der Unternehmenssteuerreform, stufenweise steuerliche Entlastung für die Leistungsträger in unserer Gesellschaft mit Jahreseinkommen zwischen 30 000 und 60 000 Euro: Das alles ist unverzichtbar, damit wir wieder Wachstum bekommen. Laut Institut für angewandte Wirtschaftsforschung hat der Staat von 20005 bis 2009 insgesamt 24 Milliarden Euro zusätzlicher Steuern eingenommen, weil Lohnerhöhungen zum Inflationsausgleich unverhältnismäßig höher besteuert werden, die sogenannte "kalte Progression". Wenn SPD-Finanzminister Peer Steinbrück die Rückführung dieser Belastungen als "gaga" und nicht finanzierbar abtut, halte ich dagegen: Hier wird gegen die soziale Gerechtigkeit verstoßen und zudem dringend benötigte Kaufkraft entzogen.

Mit der Krise sinkt die Zahlungsmoral der Kunden. Wie stark ist der Druck?

Schleyer: Die Klagen werden lauter, dass Handwerksbetrieben längere Zahlungsziele zugemutet und sie so als Zwischenfinanzierer missbraucht werden. Eine erste wichtige Maßnahme zur Verbesserung der Liquidität haben wir beim Gesetzgeber durchgesetzt. Die Mehrwertsteuer müssen Handwerksbetriebe mit bis zu 500.000 Euro Umsatz seit 1. Juli erst abführen, wenn der Kunde tatsächlich bezahlt hat. Früher mussten die Unternehmen in Vorleistung treten.

Laut Statistischem Bundesamt arbeitet jeder fünfte für einen Niedriglohn. Was sagen Sie zu der Kritik der Gewerkschaften, dass die Qualität der Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland immer schlechter wird?

Schleyer: Ich warne die Gewerkschaften dringend vor Panikmache. Das ist doch Wahlkampf. Wer wie der DGB Leiharbeit und Zeitarbeit verteufelt, blendet die Wirklichkeit aus. Fakt ist: 2008 waren gerade einmal 2,2 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Zeitarbeit tätig. Allein diese Zahl zeigt, wie unverhältnismäßig die Kampagne der Gewerkschaften ist. Viel wichtiger ist doch dies: 61 Prozent der im zweiten Halbjahr 2008 abgeschlossenen Zeitarbeitsverhältnisse wurden mit Personen geschlossen, die direkt davor überhaupt keinen Job hatten. Gerade vielen Langzeitarbeitslosen wurde so erst der Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglicht. Im Übrigen wissen die Gewerkschaften doch, dass in der Krise gerade diese flexiblen Beschäftigungsverhältnisse die Arbeitsplätze der regulären Belegschaften retten.

Interview: Beate Tenfelde

Autor:
Holzi am 28. Aug. 2009 um 05:06 Uhr
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