Wie schnell können sich Waldbäume an den globalen Klimawandel anpassen?



Dieser Frage geht ein neuer Forschungsverbund unter dem Titel „Tip Tree“ nach, zu dem auch Marburger Naturschutzbiologen und Ökologen gehören. Das Konsortium im Rahmen des EU-Programms „ERA-Net Biodiversa“ führt europäische Partner zusammen, für die nationale Fonds mehr als eine Million Euro bereitstellen; davon erhält die Philipps-Universität Marburg 340.000 Euro durch das Bundesforschungsministerium (BMBF).

„Wälder umfassen einen großen Teil der weltweiten Artenvielfalt und erfüllen als Ökosysteme wichtige Funktionen und Leistungen“, erklärt die Marburger Naturschutzbiologie-Professorin Dr. Birgit Ziegenhagen, die an dem Projekt beteiligt ist. Können sich Waldbäume schnell genug an veränderte Umweltbedingungen anpassen – oder sind sie vom Aussterben bedroht, wenn der Klimawandel voranschreitet? Lässt sich vorhersagen, an welchem Punkt das System von der Anpassung zur Auslöschung kippt? Wie wirkt sich das Forstmanagement auf diesen Prozess aus? Solchen Fragen widmen sich Ziegenhagen und ihre Arbeitsgruppe sowie Kollegen und Kolleginnen aus der Ökologie am Beispiel zweier europäischer Hauptbaumarten, nämlich der Weißtanne und der Rotfichte.

Ziel der Wissenschaftler ist es, zu verstehen, wie und in welchem Zeitraum sich „Anpassung im Wechselspiel zwischen Umweltänderungen und dem Erbgut von Waldbäumen vollzieht“, führt Ziegenhagen aus. „Wir untersuchen verschiedene Generationen von Waldbaumpopulationen entlang von Umweltgradienten“, erläutert der Naturschutzbiologe Dr. Sascha Liepelt, der ebenfalls an dem Vorhaben mitwirkt: Welche Veränderungen lassen sich an den Bäumen etwa entlang eines Gefälles abnehmender Niederschläge oder steigender Temperaturen feststellen? „Dies ist besonders an den Grenzen der Verbreitung dieser Bäume von Interesse, da man vermutet, dass dort Selektion am stärksten wirkt“, führt der Ökologe Dr. Lars Opgenoorth aus, auch er ein Mitarbeiter an dem Projekt.

Waldbäume erfordern eine besondere Herangehensweise aufgrund der langen Zeitspanne von einer Generation zur nächsten und wegen des hohen Alters, das sie erreichen können. Die Wissenschaftler setzen moderne molekulare und bioinformatische Verfahren ein, verfolgen aber auch klassische ökologische und experimentelle Ansätze. Mit den gewonnenen Daten sollen in Simulationen verschiedene Szenarien durchgespielt werden, um Vorhersagen und Entscheidungshilfen für das forstliche Management zu erhalten. Die Marburger Biologen übernehmen innerhalb des Forschungsverbunds außerdem die Aufgabe, die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Forstpraxis sowie -politik zu koordinieren.

Neben der Marburger Gruppe sind an dem Vorhaben mehrere französische Partner sowie ein schwedisches Team beteiligt. Nimmt man ein Vorgängerprojekt zu demselben Thema hinzu, das ebenfalls durch das BMBF gefördert wird, stehen Marburger Naturschutzbiologen und Ökologen insgesamt 550.000 Euro für diese Forschung zur Verfügung.

Autor:
Holzi am 16. Dez. 2013 um 10:51 Uhr
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