Start der Leichtbauoffensive OWL:



Den Herstellern von klassischen Holzprodukten laufen absehbar die Kosten davon: Seitdem Holz verstärkt auch als Energieträger genutzt wird, hat sich das Angebot verknappt und die Preise sind spürbar gestiegen. Auch die Möbelbranche muss umdenken, um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben. Ein vielversprechender Ansatz ist die Leichtbaukonstruktion: Mit zahlreichen Sandwich-Werkstoffen aus dünnem Holz, Papier, Metall oder Kunststoff existieren bereits heute zahlreiche Alternativen, um Möbel Material sparend, energieeffizient, leichter handhabbar und gleichzeitig stabiler zu bauen. Das macht den Leichtbau zum zukunftsweisenden Trend – nicht nur im industriellen Möbelbau. Genau hier setzt die Arbeit der neuen „Leichtbauoffensive OWL“ an.

Die „Leichtbauoffensive OWL“ widmet sich fachübergreifend der Entwicklung und Förderung von intelligenten Leichtbaulösungen. Erklärtes Ziel ist es, ein starkes Kooperations-Netzwerk zwischen Industrie und Forschung aufzubauen, die Idee der Leichtbaukonstruktion in der Praxis erfolgreich weiter zu entwickeln und damit einen echten Wettbewerbsvorsprung für die heimische Möbelwirtschaft zu erreichen. Zu den Instrumenten gehören der Aufbau von speziellen Aus- und
Weiterbildungsangeboten, die Durchführung von Materialprüfungen, Ressourcenanalysen und Marktuntersuchungen – und nicht zuletzt der direkte Transfer der Ergebnisse in die Unternehmen der Möbelindustrie.

Leiter der auf drei Jahre angelegten Offensive ist Professor Martin Stosch, Lehrender für Möbelbau, Möbelkonstruktion und Möbelentwicklung im Studiengang Holztechnik an der Hochschule OWL in Lemgo und Vorstand der Interessengemeinschaft Leichtbau e.V. (igeL). Die „Leichtbauoffensive
OWL“ wird gemeinsam von der Hochschule, der Politik und Partnerunternehmen aus der regionalen Möbelzulieferindustrie getragen.

Während der Projektlaufzeit wird die Offensive mit insgesamt über 900.000 Euro unterstützt. Geldgeber sind die Europäische Union (EFRE) und das Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie (MWME) des Landes NRW (Ziel2-Programm), die Hochschule Ostwestfalen-Lippe, dieStiftung Standortsicherung des Kreises Lippe sowie drei Mitgliedsunternehmen des igeL e.V.: Hettich (Kirchlengern), Jowat (Detmold) und Plantag (Detmold).

Die Zukunft ist leicht!

Leichtbau bedeutet mehr als nur eine vordergründige Gewichtsreduktion. Die moderne Leichtbaukonstruktion von Möbeln und Inneneinrichtungen schafft die Grundlage für vollkommen neue gestalterisch-technische Möglichkeiten im Handwerk wie in der Industrie. Im Gegensatz zum klassischen „Schwerbau“ bietet der moderne Leichtbau eine ganze Reihe überzeugender Vorteile. Mit sinkendem Rohstoffeinsatz steigt nicht nur die Energieeffizienz in der Produktion: Die Logistikkosten werden spürbar reduziert und das Handling – beispielweise bei der Montage – wird wesentlich verbessert. Professor Stosch: „Damit bietet der Leichtbau vielfältige Möglichkeiten, dem allgemeinen Kostendruck durch Billigimporte und Dumpingpreise nachhaltig zu begegnen, die Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhöhen und so Arbeitsplätze in
der Region zu sichern.“

Dass moderne Leichtbaukonstruktionen in Europa gute Marktchancen haben, beweist der seit 15 Jahren wachsende Erfolg eines bekannten schwedischen Möbelhauses. Viele Produkte entstehen dort mittlerweile ganz selbstverständlich in Leichtbauweise. In der Regel sind das
Sandwichkonstruktion mit dünnen Deckschichten, die einen leichten Wabenkern umschließen – High-Tech wie im Flugzeugbau. Martin Stosch ist überzeugt: „Der Möbelleichtbau birgt besondere Potenziale zur widerspruchsorientierten Innovation. Die Möbel von morgen müssen leichter und gleichzeitig stabiler werden.“

An der Hochschule Ostwestfalen-Lippe tüfteln die Studierenden der Holztechnik bereits an unkonventionellen Lösungen. Zwischen dünnen Span- oder Faserplatten werden dann auch schon mal testweise Popcorn, Trinkhalme oder bunter Puffreis miteinander verklebt. „Leichtbau ist das
intelligente Verpacken von Luft“, sagt Stosch. „Versuch macht klug. Warum also nicht mit Materialien experimentieren, die bereits von der Natur als stabile Verpackung mit sehr geringem Gewicht zu Verfügung gestellt werden, wie zum Beispiel Erdnuss-Schalen?“ Für aktuelle Industrieanwendungen darf es momentan allerdings noch etwas konservativer sein: Leichtes Holz und Holzwerkstoffe sowie Papier und expandierte Kunststoffe sind derzeit die Favoriten.

Wichtiges Know-how für die Region

Mit der Gründung der Interessengemeinschaft Leichtbau e. V. (igeL) wurde bereits ein großer Schritt zur Förderung des Leichtbaukonzepts getan. Vom Möbelhersteller bis zum Caravanbauer, vom Lieferanten von Werkstoffen, Klebstoffen, Beschlägen und Lacken bis hin zum Maschinen- und Anlagenbauer oder Dienstleister – rund 50 Unternehmen sowie zahlreiche Hochschulen und Forschungseinrichtungen haben sich bereits dem „igeL“ angeschlossen. Sie alle bringen ihr Konstruktions- und Fertigungs-Knowhow entlang der Wertschöpfungskette in die Diskussion ein. Und genau diese Erfahrungen nutzt nun die „Leichtbauoffensive OWL“ zum Auf- und Ausbau eines zukunftsfähigen Leichtbau-Clusters.

Autor:
Holzi am 12. Feb. 2010 um 06:38 Uhr
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