Deutsche Forstwirtschaft ist Vorbild für den Regenwald



Seit 1989 wird der vom World Wide Fund for Nature (WWF) initiierte „Tag der Tropenwälder“ begangen. Noch immer werden riesige Waldflächen in den Tropen zerstört. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass sich forstliche Nachhaltigkeitsprinzipien, wie sie in Deutschland seit langem gelten, auch dort allmählich durch setzen.

Pro Minute wird in den Tropen eine Waldfläche von der Größe von 35 Fußballfeldern zerstört. Der Wald muss Plantagen, Acker- und Weideland oder Siedlungen weichen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, die FAO, beziffert den jährlichen Waldverlust in den Tropen auf 14,2 Millionen Hektar. Diese Fläche ist nochmal 3 Millionen Hektar größer als die gesamte Waldfläche in Deutschland. Nachhaltige Waldbewirtschaftung, wie sie in Mitteleuropa heute üblich ist, ist in den Ländern der Tropen oft noch unbekannt oder wird vernachlässigt. Daran änderten zunächst auch die Konferenz von Rio (1992) und alle internationalen Konventionen zum Schutz der Tropenwälder nichts. Neuere Entwicklungen lassen nun aber hoffen, dass sich langsam aber sicher eine Trendwende vollzieht. Wichtigstes Instrument für den Wandel ist die Waldzertifizierung. Dabei spielen umfassende Nachhaltigkeitskriterien, die entsprechend an die örtlichen Verhältnisse angepasst werden, eine zentrale Rolle.

Deutsche Forstwirtschaft: „Exportschlager“ in den Tropen

Die nachhaltige Waldbewirtschaftung, die seit dem 18. Jahrhundert in der deutschen Forstwirtschaft entwickelt wurde, kann auch von Amazonien bis in den Kongo für einen Einklang von Ökologie, Sozial standards und Ökonomie sorgen. Einen Export des forstlichen Nachhaltigkeitsgedankens aus Deutschland in die Tropen gab es bereits im 19.Jahrhundert. Damals wurden deutsche Forstexperten beauftragt, dort nachhaltig wirtschaftende Forstverwaltungen aufzubauen. Sir Dietrich Brandis war einer der prominentesten unter diesen deutschen Forstexperten. Der Bonner stand als Generalinspekteur der gesamten Forstverwaltung Britisch-Indiens vor und machte die Wälder Vorderindiens, Myanmars und auch Malaysias mit nachhaltigen und schonenden Methoden zwischen 1862 und 1883 zu den ertragreichsten Wäldern der Erde. Brandis Vorbild war unter anderem der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz. Dessen 1713 erschienenes Werk „Sylvicultura oeconomica“ gilt weltweit als das erste Standardwerk der Forstwirtschaft. Darin prägte er die Grundlagen des heutigen Nachhaltigkeits-Begriff es. Die deutsche Forstwirtschaft feiert in diesem Jahr ihm zu Ehren dieses besondere und wichtige 300ste Jubiläum mit vielen Aktionen und Veranstaltungen.

Zertifizierung: Kein Holz aus illegalem Einschlag

Wie aber rettet man die Tropenwälder? Ein Verzicht auf den Import von Tropenholz kann nicht der Königsweg sein. Wald, mit dem die Menschen vor Ort ihren Lebensunterhalt nicht erwirtschaften können, gilt in den Tropenländern zumeist als nutzlos und wird häufig gerade deshalb vernichtet. Seit einigen Jahren schon gibt es zwei erfolgreich operierende Organisationen, die dazu beitragen, dass die Wälder erhalten bleiben und nachhaltig genutzt werden: die internationalen Waldzertifizierungsorganisationen FSC (Forest Stewardship Council) und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes). Sie haben Kriterien aufgestellt, wie ein Waldstandort gemäß nachhaltig bewirtschaftet wird, und lassen deren Einhaltung in der Praxis kontrollieren. Der Erfolg gibt Anlass zur Hoffnung: Die ersten Länder in den Tropen und Subtropen haben bereits nationale Standards und objektive Kontrollsysteme entwickelt und eingeführt, nach denen die Waldbesitzer nachhaltig wirtschaften. In Deutschland ist bereits der Großteil der gesamten Waldfläche von rund 11 Millionen Hektar zertifiziert. PEFC hält mit fast 7,3 Millionen Hektar zertifizierter Waldfläche dabei den Mammutanteil. Die Fläche FSC-zertifizierter Wälder beträgt in Deutschland rund 580.000 Hektar (Stand Mai 2013). Derart sichere Verhältnisse und nachhaltigen Waldbau wünscht man sich am Tag der Tropenwälder für alle Wälder der Erde.

Autor:
Holzi am 17. Sep. 2013 um 09:31 Uhr
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