Platten wie aus dem Lehrbuch?



Mitte November trafen sich die Vorstandsmitglieder des Verbands der Deutschen Wohnmöbelindustrie (VdDW e.V.), Herford, zu ihrer Herbstsitzung in Markt Bibart. Eingeladen hatte Vorstandsmitglied Michael Stiehl in das Spanplattenwerk der Rauch-Gruppe und damit auch ins Herz des unterfränkischen Weinbaus.

Dieses Plattenwerk, augenfällig inmitten einer gewaltigen Neubau- und Investitionsphase, dürfte wohl das einzige der Welt sein, das mit einem kleinen, eigenen „Weinberg“ glänzt. Schließt zwar der Wein nicht zu denen der „Grand Cru“ auf, tun es die produzierten Platten allemal. Wohl mit Recht bewirbt der Hersteller seine Spanplatten als hochwertig und umweltgerecht produziert: Denn es besticht nicht nur die intensive Fremdüberwachung, sondern der ausschließliche Einsatz von frischem Waldholz – abseits des holzindustriellen Mainstreams.

Einzigartige Plattenqualität dank 100 % frischem Waldholz

Das Ergebnis jedenfalls gefällt bereits auf den ersten Blick. Mit nachvollziehbarem Stolz ließen Gastgeber Michael Stiehl und der Geschäftsführer des Werks Dr.-Ing. Ralf Moog eingangs der VdDW-Vorstandssitzung Platten-Handmuster umlaufen, deren hellgelber Farbton manchen der angereisten Wohn- und Schlafmöbelhersteller wehmütig an scheinbar längst vergangene, „gute“ Zeiten erinnern ließ.

Dass der Verzicht auf Altholz sich positiv in den Platteneigenschaften spiegelt, bedarf keiner Erläuterung. Deshalb „verwöhnt“ das Werk mit heute 180 Mitarbeitern und seit dem Jahrtausendwechsel mit ca. 530.000m3 Jahresproduktion nicht nur die der Rauch-Gruppe angeschlossenen Möbelwerke, sondern verkauft rund die Hälfte der Spanplatten an Drittkunden. Diese wissen die Qualität der Ware zu schätzen, insbesondere die kleinteilige Mittelschicht macht späteres Postforming von Rundkanten beinahe zum Vergnügen.

Die Geschichte des Werks Markt Bibart ist für die noch junge Holzwerkstoffbranche recht lang. 1953 von Otto Kreibaum mit zwei Strangpressanlagen begründet, erfolgten maßgebliche Investitionsschritte 1976 mit der Installation einer Ein-Etagenpresse, 1991 mit einer Durchlaufpresse von Küsters – die die Kapazität auf über 300.000 m3 Jahresproduktion katapultierte – sowie schließlich 1999 mit einer Verlängerung dieser Linie auf 44 m und die heutige Kapazität.

Größte Investition der Firmengeschichte angelaufen

Obwohl die Branche insgesamt von starker Konsolidierung sowie zunehmender Holzknappheit gezeichnet ist und neue Werke fast ausschließlich in Osteuropa oder der Türkei entstehen, liegt die Nachfrage nach Rauch’schen Spanplatten über der bereits umfangreichen Kapazität. Neben der bereits genannten MS-Qualität ist besonders das sehr breite Einsatzprofil der Platten dafür ausschlaggebend: Die Oberflächen der Deckschicht können mit HPL, CPL, Melaminpapieren oder Furnieren beschichtet werden, sie sind direkt lackier- und bedruckbar.

Die gute Nachfrage führten im Rauch Spanplattenwerk zu Beginn dieses Jahrzehnts zur Planung einer Ersatzinvestition, um die bisherige Maschinentechnik mit etwa 20 Jahren Alter abzulösen. 2014 erging schließlich ein Auftrag an den Krefelder Maschinenbauer Siempelkamp zur Lieferung einer Komplett-Anlage, Typ „Contiroll“ der achten Generation, mit 52 m Pressenlänge und acht bis 44 mm Plattendicke.

Die Ersatzinvestition kommt einer weiteren Steigerung der Plattenqualität zu Gute, denn dieses Alleinstellungsmerkmal soll ausgebaut werden und, stimmt man Betriebsleiter Thomas Engelhardt zu, entscheidet über die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den großen Holzwerkkonzernen. Eine Kapazitätserweiterung ist denkbar, wird aber derzeit durch die Trockner- und Endfertigungsleistung beschränkt. Die „Erste Platte“ ist für Anfang 2016 eingeplant.

Seit 1897: Rauch in Familienbesitz

Nicht zuletzt kommt dieser Investition die erfolgreiche Entwicklung der Rauch-Gruppe entgegen, wie Michael Stiehl betonte. Die insgesamt 1.700 Mitarbeiter starke Gruppe liefert in den vier Produktlinien Steffen, Dialog, Select und Pack’s jährlich 8 Millionen Möbel-Packstücke aus – dahinter stehen etwa 5.000 Kunden weltweit mit rund 2.500 Order pro Tag. Neben dem deutschen Markt werden vorrangig Großbritannien, Österreich und die Benelux-Länder beliefert.

Sieht man von den nüchternen Produktionszahlen einmal ab, fallen vor allem das Bekenntnis zum Standort Deutschland, das mit dem „Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2014“ ausgezeichnete nachhaltige unternehmerische Handeln, die sich nicht nur durch Unterhaltung eines Integrationsbetriebs auszeichnende soziale Verantwortung und die zurückhaltende Philosophie als Familienfirma ins Auge.

VdDW-Geschäftsbericht mit vielen Facetten

Dr. Lucas Heumann, Geschäftsführer des Wohnmöbelverbands, verwies nach Firmenpräsentation und Betriebsrundgang in seinem Geschäftsbericht die Zuhörer dann zurück in den Alltag der Branche. Ein Thema hierbei, „Murphys Gesetz“ gehorchend, ist die Vergleichbarkeit der amtlichen Statistik. Nutzern selten bewusst, umfasst diese unter ‚Wohnen und Schlafen‘ – im Unterschied zur aussagefähigeren Auftragserfassung des VdDW – leider auch branchenfremde Produkte wie jene aus der Gartenmöbelindustrie.

Weitere Themen des Geschäftsberichts waren die überraschend positiven Erwartungen der GfK-Konsumindizes, das KHG-Ansinnen zur Bildrechteübertragung, die Belieferungsmodalitäten gegenüber dem Online-Handel, die Ergebnisse des Arbeitskreises Hausmessen und die Entsorgung von Transportverpackungen im Wohnmöbelsektor.

2015 erste Ergebnisse zur Subventionsbeschwerde

Zu einem intensiven Gedankenaustausch führte die gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnungsverpflichtung von Möbeln und deren sinnvolle, wirtschaftlich vertretbare Umsetzung. Der Vorstand fand Konsens, die Geschäftsführung des VdDW mit der Entwicklung eines branchenbezogenen Vorschlags zu beauftragen. Dr. Olaf Plümer (DCC e.V.) berichtete dem Vorstand vom Arbeitsfortschritt beim IDM Wohnen und über die geplante Veranstaltung des zuständigen DCC-Fachbeirats am 20. November, zu der mehrere Vertreter des Möbelhändlers XXXLutz erwartet werden. Abschließende Themen der Vorstandssitzung waren das Beschwerdeverfahren bei der EU zur Subventionspraxis in Polen, dessen erste Ergebnisse im 1.Halbjahr 2015 vorliegen sollen, sowie zur Möbellogistik – vorgetragen von Homes-Geschäftsführer Andreas Ruf – und der Planungsstand zur IMM cologne 2015, den Arne Petersen und Uwe Deitersen von der Kölnmesse vorstellten.

Autor:
Holzi am 09. Dez. 2014 um 09:03 Uhr
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