Trend zur Kapitalgesellschaft



In der deutschen Wirtschaft zeichnet sich ein klarer Trend hin zur Kapitalgesellschaft ab. Im ersten Halbjahr 2009 stieg laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden die Zahl der Gründungen von Kapitalgesellschaften - also AGs, GmbHs, Mini-GmbHs oder Limiteds – um knapp neun Prozent. Die Zahl der Gründungen von Personengesellschaften knickte hingegen um rund fünf Prozent ein. „Offensichtlich entdecken immer mehr Gründer, aber auch Betriebsübernehmer die Vorteile einer Kapitalgesellschaft“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Tödtmann, Geschäftsführer des Gründungsdienstleisters Go Ahead in Bonn.

Für diesen Boom gibt es eine simple Erklärung: Kapitalgesellschaften sind modern, flexibel und vielfältig einsetzbar. Das zeigt das Beispiel von Michael Lange. Der gelernte Schreiner und diplomierte Architekt gründete im Dezember 2008 eine Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt), umgangssprachlich auch Mini-GmbH genannt, nachdem er zuvor bereits sechs Jahre lang als Einzelunternehmer unterwegs war. Der Grund: Lange möchte später einmal das Geschäft auf mehrere Schultern verteilen, Mitarbeiter fest anstellen, bei Bedarf Gesellschafter mit ins Boot nehmen und irgendwann auch seinen Betrieb veräußern können. "Das alles fällt einem mit einer Kapitalgesellschaft viel leichter", sagt der Chef der LANGE Holz - und Raumgestaltung Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) in Frankfurt.

So denken immer mehr angehende wie etablierte Unternehmer. Dabei steht krisenbedingt häufig der Wunsch nach einer größeren Flexibilität bei der Umgestaltung der Beteiligungsverhältnisse im Vordergrund. "Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften haften die Gesellschafter mit dem Gesellschafts- und dem Privatvermögen", erklärt Prof. Dr. Ulrich Tödtmann, Rechtsanwalt und Honorarprofessor an der Universität Mannheim. Das macht es für Einzelunternehmer und Inhaber von Personengesellschaften schwierig, neue Partner als Investoren zu gewinnen, beziehungsweise deren Einflussnahme auf das Geschäft rechtlich einwandfrei und klar zu regeln. Um Liquiditätsengpässe zu überbrücken und auch Geld für Wachstumsinvestitionen zu erhalten, können vor allem Mittelständer zurzeit allerdings Beteiligungskapital gut gebrauchen.

Kapitalgesellschaften tun sich bei der Investorensuche leichter

Hier kann der Wechsel in eine Kapitalgesellschaft nützlich sein. Der Vorteil: Bei ihr haftet das Unternehmen nur mit seinem Stammkapital. Die persönlichen Vermögenswerte der Gesellschafter sind im Haftungsfall vor dem Durchgriff der Gläubiger geschützt. Besonders kostengünstig lässt sich der Weg von der Personen- zur Kapitalgesellschaft über die Gründung einer britischen Limited oder einer Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) bewerkstelligen. Statt für 25.000 EURO wie bei der GmbH, bietet die Limited den gleichen Schutz des Privatvermögens vor der unbeschränkten Haftung schon ab einem britischen Pfund, die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) ab einem EURO.

Bei einer Limited kommt hinzu, dass sich neue Anteilseigner (vor allem auch Minderheitsbeteiligte) ohne großen bürokratischen Aufwand am Unternehmen beteiligen lassen. „Für die Übertragung der Gesellschafteranteile reicht schon eine schriftliche Erklärung", sagt Bernd Kraus, Geschäftsleiter Go Ahead. "Bei einem Wechsel der Gesellschafter oder Geschäftsführer müssen lediglich die Änderungen in das britische Register beim Companies House eingetragen werden. Eine notarielle Beurkundung ist – im Gegensatz zur GmbH und Mini-GmbH - nicht notwendig."

Einfacher Stabwechsel mit der Limited

Auch für Familienunternehmer ist ein Wechsel der Rechtsform zur Limited interessant - gerade mit Blick auf einen Stabwechsel in der Chefetage. Go Ahead Geschäftsleiter Bernd Kraus: "Junge Betriebsübernehmer – zum Beispiel aus dem Handwerk – wissen die freien Gestaltungsmöglichkeiten bei der Übertragung von Gesellschafteranteilen und der Anzahl der Geschäftsführer und Gesellschafter sehr zu schätzen."

Zur Statistik: Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden vermeldet für das erste Halbjahr 2009 exakt 35.280 neu eingetragene Kapitalgesellschaften, davon 868 Aktiengesellschaften (AGs), 32.895 GmbHs und 1.517 Limiteds – ein Plus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 8,75 Prozent. Bei den Personengesellschaften gab es einen Rückgang um 5,07 Prozent auf insgesamt 35.083 Betriebe, davon 24.217 Einzelunternehmen, 576 Offene Handelsgesellschaften (OHG), 572 Kommanditgesellschaften (KG) und 9.718 Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR).

Autor:
Holzi am 19. Okt. 2009 um 08:59 Uhr
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Comments

Ich denke es liegt besonders daran, dass die persönliche Haftung bei einer Kapitalgesellschaft nicht vorliegt. Auch wenn dies Probleme bei Bankkrediten mit sich bringt.

Ich bin gespannt wie es weiter geht und was die Zukunft bringt.

Florian um 19:59 Uhr

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