Erste deutsche Dampflokzug „Adler“



Dampflokfreunde können den Adler im September vom 23. - 26.9.2008 auf der Internationalen Fachmesse für Verkehrstechnik Innotrans und auf dem Berliner Eisenbahnfest im Bahnbetriebswerk Schöneweide im Oktober vom 03.10. - 4.10.2008 live erleben.
adler

Der erste deutsche Dampflokzug entstand im Jahre 1835. Dabei kamen viele Holzhandwerker an Lok und Wagen voll zum Einsatz. Metall an einem Dampfross der Eisenbahn zu vermuten ist nicht überraschend. Doch der „Adler“ Dampfzug, besonders seine Personenwagen, besteht zum großen Teil aus Holz . Und das wurde dem Gefährt auf Gleisen bei einem Brand zum Verhängnis. Nach achtmonatigen Restaurierungsarbeiten kehrte der Adler Ende November 2007 ins Nürnberger Verkehrsmuseum zurück und im September 2008 können Dampflokliebhaber ihn auch in Berlin live erleben.

adler brandopfer

Bewährtes Handwerk brachte den Adler wieder auf Vordermann

Ein Museumsbrand am 17. Oktober 2005 ließ die zahlreichen Holzteile der Dampflok samt den Waggons in Nürnberg verkohlen. Die Wrackstücke des Zuges waren am 7. November 2005 in mehrstündiger Arbeit mit einem Autokran aus den Trümmern des Ringlokschuppens - einem Depot des Verkehrsmuseums Nürnberg - gehoben und nach Thüringen transportiert worden. Die Lok landete im Dampflokwerk im südthürischen Meiningen. Dort haben Handwerker die historische Dampflok nach britischen Originalplänen von 1835 rekonstruiert. Das Team der Meininger Möbel- und Bauschreinerei Frank Döll war es, das den „hölzernen“ Zug mit Hilfe von Premiumwerkzeugen wieder ins Rollen brachte. Schreinermeister Döll und sein Team sind schon seit langem für solche Restaurationsaufträge bekannt. Während die Lok im einzigen Dampflokwerk der Deutschen Bahn AG mit vereinten Kräften restauriert wurde, gingen die Schreiner den kutschenähnlich anmutenden Waggons direkt in Dölls Betrieb an den Leib.

adler waggons

Handwerkskunst aus Meiningen

„Handgeführte Elektrowerkzeuge sind fast die einzigen Werkzeuge, welche die Holzhandwerker im Jahre 1835 nicht hatten“, erklärte Schreinermeister Döll, während er mit dem Festool Akku-Bohrschrauber die Sitzbänke eines Waggons durchbohrte. Die Wagen des Zuges wurden Bauteil für Bauteil, Stück für Stück, in Handarbeit dem Original nachgebaut. „Alle Einzelteile wurden ganz genau nach Originalvorlagen und Plänen angefertigt“, gab Frank Döll zu verstehen. Sogar noch präziser als beim ersten Nachbau im Jahre 1935 wurde exakt nach den historischen Zeichnungen gearbeitet, erklärte der begeisterte Schreinermeister: „Das war dank der Qualitätswerkzeuge aus dem Hause Festool gut möglich“, versicherte Döll. Und das Ergebnis gibt den Restauratoren Recht, es lobt seine Meister. Rund eine halbe Tonne Eigengewicht hat schon der Lok-Rahmen aus Eichebalken. Dieser gibt dem Dampfross Stabilität. Der Holzrahmen selbst ist in ein Stahlprofil eingefasst, das die metallischen Anbauten hält. Selbstverständlich sind die Räder, die Achsen und die Dampfmaschine aus Stahl. Schreinermeister Döll zum Holz selbst: „Für den Nachbau der Lok haben wir nicht irgendein Holz verwendet. Wir waren fast drei Monate auf der Suche nach dem richtigen Eichenholz. Dann haben wir im unterfränkischen Steigerwald das passende Holz gefunden. Wir hatten unwahrscheinlich Glück dabei, denn unser ursprünglicher Holzlieferant ist leider insolvent geworden und üblicherweise muss Eiche acht bis zwölf Jahre lagern bevor es weiterverarbeitet wird.“ „Außer Eichenholz haben wir auch Eschenholz verwendet“, so Dölls Kollege Zimmerermeister Sebastian Schmidt. „Die nachgebaute Waggons machen ihren Vorgängern alle Ehre, denn man sieht nur solide Handwerkskunst wohin das Auge schaut und die Fingerkuppen tasten. Freude macht da bereits das bloße Hinsehen. Selbst Zapfen- und Zinkenverbindungen sind vom Feinsten.“ „Diesen geforderten Qualitätsanspruch erreicht man nur mit erstklassigem Werkzeug“, versichert Frank Döll, der auf die Präzisionswerkzeuge schwört.

Insgesamt arbeiteten Kesselschmiede, Lokomotiv- und Messschlosser, Schweißer sowie andere „Metaller“ im Meininger Dampflokwerk an den Stahl-, Kupfer- und Messingteilen der berühmten „Adler“. Alles aus Holz kam aus Döll’s Stall. Dieser hat übrigens schon fast so viele Jahre Tradition wie der „Adler“. Welch Wunder, dass bei soviel Engagement und Erfahrung die Freude am Ergebnis groß ist.

Aktuelle Besichtigungen des Dampfzuges „Adler“

Im Frühjahr/Sommer 2008 konnten sich viele Besucher auf verschiedenen Publikumstouren in Form von Nostaliefahrten freuen. Dampflokfreunde können den Adler vom 23. bis 26. September 2008 auf der Internationalen Fachmesse für Verkehrstechnik Innotrans 2008 und auf dem Berliner Eisenbahnfest im Bahnbetriebswerk Schöneweide vom 03.10. bis 4.10.2008 live erleben. Danach kehrt der Adler wieder zurück ins Verkehrsmuseum nach Nürnberg. In Nürnberg ist übrigens ständig ein Nachbau des Adlers zu sehen.

Autor:
Holzi am 08. Aug. 2008 um 07:37 Uhr
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