Hochkarätiges Programm



Trends erkennen und daraus Strategien für die Zukunft ent­wickeln – diesen Bogen schlug der diesjährige Deutsche Tischler- und Schreinertag am 19. und 20. Juni in Berlin.

Rund 160 Teilnehmer waren der Einladung des Bundesverban­des Holz und Kunststoff (BHKH) gefolgt. Sie erlebten ein hoch­karätiges Programm, moderiert von Fernseh-Journalistin Carla Kniestedt. BHKH-Präsident Günter Füllgraf konnte Referenten zu drei Themenschwerpunkten begrüßen: neue Märkte für Tischler und Schreiner, Fachkräftesicherung und politische Rahmen­bedingungen.

Welchen Stellenwert die Parteien dem Handwerk einräumen, zeigte sich bei einem Polit-Duell. Für die CDU stand Hartmut Schauerte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundes­wirtschaftsministerium und Mittelstandbeauftragter der Bundes­regierung, auf dem Podium. Sein Gegenüber war FDP-General­sekretär Dirk Niebel. Beide Politiker reagierten unmittelbar auf Forderungen des Tischler- und Schreinerhandwerks. BHKH-Präsident Günter Füllgraf und die Vize-Präsidenten Alfred Jacobi und Konrad Steininger hatten sie zuvor ausgeführt.

Schauerte versprach Unterstützung bei der geforderten Änderung der Fahrpersonalverordnung. Sie regelt die Lenk- und Ruhezeiten im Transportgewerbe. Betroffen sind jedoch auch viele Hand­werker. Für sie bedeutet die Verordnung unnötige Investitionen und Mehrarbeit. Die ebenfalls kritisierte Vorverlegung der Sozial­versicherungsbeiträge, die die Unternehmen zahlen müssen, bezeichnete er als „eine der ärgerlichsten Bürokratiemaßnahmen der letzten Jahre“.

Niebel erinnerte daran, dass die FDP seinerzeit die Vorverlegung abgelehnt hatte: „Die Regierung hat das gemacht, um an das Geld der Betriebe zu kommen.“ Nun könne man diese Regelung aber nicht mehr zurücknehmen. Die finanziellen Mittel seien ein­geplant und nötig, um eine Steuerreform umzusetzen.

Niebel teilte auch die BHKH-Kritik am Entsendegesetz. „Mindest­löhne sind maximaler Unsinn“, sagte er. Bezüglich der Umsatz­steuer für Unternehmen forderte er eine dauerhafte Umstellung von der Soll- auf die Ist-Besteuerung. Jeder Betrieb sollte diese Steuer erst dann zahlen müssen, wenn sein Kunde die Rechnung tatsächlich beglichen hat – und nicht vorab. Einer reduzierten Mehrwertsteuer auf Handwerkerleistungen räumte Niebel ebenso wie Schauerte wenig Chancen ein.

Zum Thema „Neue Märkte“ referierte Dr. Werner Beutelmeyer, Gründer und Geschäftsführer des österreichischen Markt­forschungsinstituts market. Chancen für Tischler und Schreiner sieht er unter anderem in der stärker werdenden Zielgruppe der älteren Menschen und dem Trend zur Individualisierung. „Die Wohnung ist die Bühne des Ich“ – für Tischler und Schreiner sei der daraus resultierende Wunsch nach Exklusivität ideal.

Verschiedene Aspekte wurden zum Thema Fachkräftesicherung beleuchtet.

Erziehungswissenschaftler Wolfgang Bergmann erläu­terte, warum Jugendliche „anders ticken“ als Erwachsene. Sie hätten oft ein überhöhtes Selbstbild; die Befriedigung der persön­lichen Bedürfnisse stehe im Vordergrund. Um ihre Illusionen zu bewahren, würden viele Jugendliche der Realität ausweichen. Bergmanns Lösung: „Vertrauen und Ordnung, Liebe geben und Gehorsam verlangen – dann klappt’s.“

Kommunikations-Coach Mathias Bucksteeg stellte ein Konzept zur Nachwuchswerbung für das Tischler- und Schreinerhandwerk vor. Die Jugendlichen müssten forsch und witzig angesprochen werden. Wichtig sei, dass sie viele Möglichkeiten der Interaktion hätten. Der BHKH plant, das Konzept umzusetzen und mit der übergreifenden Image-Kampagne des Zentralverbands des Deutschen Handwerks zu verzahnen.

Rainer Hans Klein von der Holz-Berufsgenossenschaft referierte über Möglichkeiten, wie ältere Mitarbeiter als Leistungsträger länger im Betrieb gehalten werden können. Neben persönlicher Wertschätzung und einer breiteren Entscheidungsfreiheit seien Gesundheitsförderung und ergonomische Hilfen wichtig. Statt der Defizite der älteren Mitarbeiter müssten ihre Kompetenzen in den Vordergrund gestellt werden.

Sportmediziner Dr. Willi Heepe rückte die gesundheitliche Eigen­vorsorge in den Mittelpunkt. Mit drastischen Worten machte er klar, dass dazu mehr Bewegung und eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten unerlässlich sind.

Best-Practice-Beispiele in Sachen Fachkräftesicherung lieferten die Schreinereien Westermann (Denkendorf, Baden-Württem­berg) und Brammertz (Aachen). Meike Deuschle, Personalleiterin bei Westermann, stellte die erfolgreiche Feedback- und Kommu­nikationskultur vor, die in ihrem Betrieb gelebt wird. Alice Bram­mertz verdeutlichte, dass ein Unternehmen nur gesund sein kann, wenn alle Mitarbeiter motiviert, gesund und damit leistungsfähig sind.

Einer der Höhepunkte der Veranstaltung war die Verleihung des Preises „Entspannt modernisieren.“ durch BHKH-Vizepräsident Alfred Jacobi. Die Qualitätsinitiative „Entspannt modernisieren.“ hatte ihre Mitglieder Anfang des Jahres zum Wettbewerb aufge­rufen. Prämiert werden sollten gewerkeübergreifende Moderni­sierungsprojekte, die sich durch fachliche Qualität auszeichnen und eine reibungslose Realisierung. Die teilnehmenden Tischler und Schreiner mussten die beteiligten Gewerke koordinieren und selbst an der Ausführung beteiligt sein.

Von den eingereichten Objekten wurden die fünf besten mit Geldpreisen von insgesamt 8.000 Euro ausgezeichnet. Sieger wurde die bayerische Schreinerei Ludwig Mayr aus Manching. Sie wurde für den vorbildlichen Umbau eines Ferienappartements gewürdigt.

Zeit zum Fachgespräch unter Kollegen bot das festliche Gala-Buffet am Abend. Das Berliner Improvisationstheater „Die Go­rillas“ sorgte dabei für kurzweilige Unterhaltung. Anlass für die gute Stimmung war auch ein besonderes Jubiläum: Gefeiert wurde das 125-jährige Bestehen des BHKH.

Der Deutsche Tischler- und Schreinertag wurde unterstützt von der Versicherung SIGNAL IDUNA sowie: CREATIS, CWS-boco, Egger, Gmünder ErsatzKasse (GEK), Häfele, Hans Brügmann GmbH & Co KG (RAMPA), Klöpferholz, Leitz, PRACTIVE (HOMAG-Gruppe), SPAX und den Stadtwerken Leipzig.

Autor:
Holzi am 25. Jun. 2009 um 09:49 Uhr
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