interzum zeigt die Branchenneuheiten



Das Innenleben von Schränken, Sofas und Betten lässt sich am besten auf der interzum studieren, der Weltleitmesse für Zulieferer der Möbelindustrie und des Innenausbaus. Außerdem zeigen sich hier als Erstes die neuen Trends bei Bezugsstoffen, Oberflächen und Hölzern. Demnach laden hochwertige Stoffe und Strukturfurniere zum Streicheln ein, während man beim Öffnen von Schubladen und Schränken oder bei sensorgesteuerten Hightech-Lichtsystemen kaum noch Hand anlegen muss.

Für Fachleute ist die Leitmesse der internationalen Zulieferindustrie ein Eldorado: Möbelbauer, Architekten, Innenarchitekten und Designer stöbern hier nach neuen Ideen für ihre Objekte, nach neuen Werkstoffen, Dekoren, Fertigungstechniken und den neuesten Looks. Wie kann man sich zeitgemäß betten, Räume ausdünstungsfrei und schwer entflammbar einrichten, ergonomisch ausstatten oder stimmungsvoll erhellen - die Kölner Messe versammelt alle zwei Jahre ähnlich wie die Messe in Frankfurt zur Ambiente 2009, die Innovationen aus aller Welt, um solche Fragen zu beantworten.

Für den Laien hingegen ist der Besuch der Messe ein Abenteuer, das ihn ohne fachkundige Leitung auf dem kürzesten Weg in ein Dickicht spiegelnder Wände, computergesteuerter Polstermaschinen und kleinteiliger Schräubchen, Rollen und Zylinder führt. Die Produkte der Zulieferindustrie sind zugegebenermaßen erklärungsbedürftig. Wo der Designer im Geiste schon neue Möglichkeiten zur naturschonenden Konstruktion von Möbeln und der Hersteller neue Funktionen für die Hightech-Küche entstehen sieht, erblickt Otto-Normal-Verbraucher nur Schichtplatten, Beschläge, Dübel und Druckluftfedern.

Doch keine Angst: Spätestens bei den Angebotsschwerpunkten Nature&Interior und Form&Decoration mit ihren Inszenierungen von Hölzern und Furnieren, Parketten und Laminaten, mit ihren geprägten oder papierenen Oberflächendekoren wird auch seine Phantasie abheben. Die vorgestellten Materialien und Zubehörelemente für Polster, Bezüge und Leder im Bereich Comfort&Bedding wecken bislang unbekannte Wünsche nach modernem Sitz- und Liegekomfort. Hier finden sich Anregungen für die Industrie genauso wie für den Häuslebauer.

Trends zeigen sich oft im Detail. Während sich die Formensprache von Designobjekten in der Theorie recht frei entwickeln kann, ist ihre reale Gestaltung nur überzeugend und komplett, wenn auch die Details und die verwendeten Materialien stimmen. Der cleane Look einer minimalistischen Küchenfront kann durch Griffe empfindlich gestört werden, und ein wetterfester Bezug, der sich nicht textil anfühlt, lässt die schönste Gartenmöbelkollektion alt aussehen. Die Trendscouts und Entwickler der Zulieferindustrie haben ein Gespür für die Bedürfnisse der Menschen und liefern die Komponenten und Ideen, mit denen Designer arbeiten.

Einer dieser Trends steuert auf einen Höhepunkt zu: die Individualisierung von Produkten. Produkte und Werkstoffe, die eine Geschichte haben, stehen hoch im Kurs. Denn Individualität drückt sich nicht mehr nur durch eine ausgefallene oder ikonenartige Form aus, sondern sucht schon im Material das Besondere. Und so werden in der Branche Böden aus historischem Althaus-Bestand angeboten, das technisch aufwändig ausgebaut und veredelt wurde. Oder Furnier mit einem besonderen Finish, das den Charakter des Holzes betont, bis hin zu "geräuchertem" Holz , das beim Räuchern durch seine unterschiedlich verteilten Gerbsäureanteile eine lebendige, dunkle Färbung und Patina erhält und eine lebendigere Maserung zeigt. Ein Nebeneffekt des Räucherns: Es macht auch säurehaltige heimische Hölzer widerstandsfähig gegen Witterung und Schädlingsbefall und schont damit die Tropenwälder.

Der Zulieferermarkt reagiert auch auf sich verändernde Konsumentenbedürfnisse. Eine der nachhaltigsten Veränderungen in der Wohnsituation ist die Aufwertung des Bades zum Wohnraum: Als Rückzugsgebiet und Regenerationstempel soll das Bad wohnlicher eingerichtet werden und zum Verweilen einladen. Holz ist das bevorzugte Material, um diesen Effekt zu erzielen. Aber Bäder sind feucht. Also entwickelt die Branche Plattenwerkstoffe, die von Badplanern als wasserfeste Raumgestaltungselemente flexibel eingesetzt werden können. Oder auch thermisch behandelte Furniere, die wasserbeständige Eigenschaften aufweisen.

Licht ist ein weiteres großes Thema im Möbelbau - nicht als Leuchtobjekt, sondern als integrierte Lichtquelle für Funktionslicht sowie für die atmosphärische Illumination des Möbels selbst. Schrankwände, Tische und andere Designobjekte, die in weichen Farben schimmern, lassen sich heute energieeffizient mit Leuchtdioden umsetzen, wobei es die RGB-Technik erlaubt, die Lichtfarbe der persönlichen Stimmung anzupassen.

Hightech findet sich in Küchen und auf Polstermöbeln nicht mehr nur bei den Kochgeräten und TV-Fernbedienungen, sondern auch zunehmend bei den konstruktiven Komponenten. Etwa bei den Beschlägen, die sich zum Teil vom einfachen Scharnier zum elektromechanischen Öffnungsmechanismus mit Sensorsteuerung entwickelt haben: Türen und Schubladen öffnen sich wie von Geisterhand, wenn die Hand sich ihnen nähert oder an die Tür klopft - außergewöhnliche Entwicklungen, die Bedienkomfort erhöhen und gerade für ältere Menschen oder Personen mit körperlichen Einschränkungen attraktiv sind. Und auch für die Verstellmöglichkeiten in Höhe und Sitzposition bei Polstermöbeln und Betten gibt es immer mehr elektromechanische und hydraulische Raffinessen.

Die Technik ist aber nicht nur Bestandteil der interzum-Produkte, sondern auch ihr Gegenstand. Die Komponentenhersteller zeigen einigen Ideenreichtum bei der ergonomischen Integration etwa von Laptops und Bildschirmen in die Wohnungseinrichtung.

Dennoch geht es bei den Gestaltungstrends nicht nur darum zu zeigen, was alles möglich ist, sondern auch um das Wie - also um die Auswirkungen dieser Industrie auf die Umwelt. "Die auf der interzum gezeigten Neuheiten machen deutlich, dass die Themen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung weiter an Bedeutung gewinnen", so Michael Lanz, Jury-Mitglied des zum fünften Mal ausgeschriebenen interzum award, einem in Kooperation mit red dot projects durchgeführten Designwettbewerb. So spart eine der herausragenden Neuentwicklungen in der Branche, die wie Massivholz einzusetzende Leichtbauplatte (nun auch mit Echtholzschicht) Ressourcen und schont die Tropenwälder. Nicht nur Materialkosten, auch Transportkosten und -energien werden eingespart. Bereits auf der letzten interzum vor zwei Jahren war sie zur Marktreife gelangt; doch erst mit den nun vorgestellten neuen Verbindungselementen - etwa verklebbaren Dübeln - kann die Leichtbauplatte, die trotz ihres hohlen Kerns wie eine Massivholzplatte wirkt, auch stabile konstruktive Verbindungen eingehen.

Aber egal, ob Holz oder Kunstfaser, Furnier oder Folie, Leder oder klimatisierende Hightech-Bezüge - vor allem eines müssen die Materialien heute sein: hochwertig. Die Oberflächenkonzepte werden dabei immer stärker ausdifferenziert. Hochglanz wird durch ebenfalls glänzende, aber weich anmutende Varianten ins matte Milieu variiert, und Oberflächen, die aussehen wie gebürstetes Metall, Glas oder gesprungenes Eis wirken authentisch und handwerklich gearbeitet. Insgesamt zeigen die Oberflächen eine neuartige Haptik durch eine gröbere Strukturierung, die Wertigkeit vermittelt. Das zeigt sich bei Hölzern genauso wie bei geprägten Ledern und Polsterstoffen. Die interzum wird zeigen, dass Strukturfurniere, raue Oberflächen und edle Stoffe voll im Trend liegen.

Autor:
Holzi am 23. Apr. 2009 um 05:06 Uhr
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