Kein Aushebeln der Holzenergie durch die Hintertür!



Vor der Vollversammlung des FSC Deutschland in Hamburg appelliert die Holzenergiebranche nochmals eindringlich an den FSC, Natur- und Klimaschutz nicht gegeneinander auszuspielen. Alle fünf Jahre wird der Standard des FSC Deutschland in einer Revision neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesammelten Praxiserfahrungen angepasst. Doch während gerade diese eine nachhaltige Waldentwicklung in Deutschland dokumentieren – gemäß Bundeswaldinventur III hat die Waldfläche gegenüber 2002 um 50.000 ha zugenommen, der Holzvorrat ist um 7 Prozent angestiegen, der Totholzanteil hat sich mit nunmehr 20,6 m³/ha nahezu verdoppelt und mehr als 5,6 Prozent der Waldfläche Deutschlands gilt schon heute als nutzungsfrei – sollen in der kommenden Revision des FSC-Deutschland Standards weitere Flächenstilllegungen und ein Nutzungsverbot für Nicht-Derbholz pauschal vorgeschrieben werden.

Die Folgen für Klimaschutz, Beschäftigung und regionale Entwicklung wären gravierend. Waldrestholz ist der wichtigste Rohstoff einer nachhaltigen Holzenergienutzung in der Region. Energieholz aus dem Wald erspart der Atmosphäre jährlich ca. 30 Mio. t CO2. Ein unbegründeter Verzicht auf diesen Brennstoff müsste dann entweder über höherwertigere Holzsortimente kompensiert werden, die damit dann aber den Nutzungsdruck auf den Wald erhöhen und den Wettbewerb um die Ressource Holz verschärfen, oder durch den Rückfall auf fossilen Energieträger. Die deutschen Klimaziele 2020 und das Paris-Abkommen wären so nicht mehr erreichbar.

Doch nachhaltige Waldbewirtschaftung ist mehr als Natur- und Klimaschutz. Nachhaltigkeit steht auch für soziale Verantwortung und ökonomische Tragfähigkeit. Diese Kriterien bleiben im Revisionsprozess des FSC Deutschland trotz Einbringungen der Holzenergiebranche unberücksichtigt. Mehr als 1,3 Millionen Beschäftige leben von der Holzwirtschaft in Deutschland. Ein Wegbrechen des Energieholzmarktes wäre mit dem Verlust zahlreicher Arbeitsplätze in der Region und damit einhergehend von Wertschöpfung und Kaufkraft im ländlichen Raum verbunden. Eine Erhebung des BMUB Forschungsvorhabens „Natürliche Waldentwicklung als Ziel der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt NWE5“ beziffert die Kosten für den Nutzungsverzicht auf über 18.000 Euro pro Hektar, bzw. 6 Mrd. Euro, wenn 5 Prozent der Waldfläche aus der Bewirtschaftung genommen werden. Das dies nicht folgenlos für die regionale Wirtschaft sein kann, ist offensichtlich.

Die Verschärfungen des FSC Deutschland sind umso besorgniserregender, als dass durch einen Nutzungsverzicht in deutschen Wäldern gravierende Verdrängungseffekte befürchtet werden. Denn dass durch eine Reduzierung des Holzangebotes auch die Holznachfrage sinkt, scheint ausgeschlossen. Folglich wird statt Holz aus heimischen, nachweislich nachhaltig bewirtschafteten Wäldern vermehrt Tropenholz oder Holz aus fragwürdigen Herkunftsgebieten importiert, um Nutzungsengpässe zu kompensieren. Selbst mit FSC-Siegel kann nicht garantiert werden, dass das so ausgezeichnete Holz auch tatsächlich den hohen Standards der deutschen Forstwirtschaft entspricht, denn FSC ist nicht gleich FSC, und das Label „FSC Mix“ ermöglicht selbst die Vermischung mit nicht-zertifizierter Ware. Kahlschläge, wie sie die FSC-Standards zum Beispiel in Schweden oder Russland erlauben, sind nach deutschem Recht auch ohne Gütesiegel verboten.

Ein Nutzungsverzicht durch überzogene FSC-Kriterien in Deutschland erhöht somit das Nachhaltigkeitsrisiko eklatant, während die erhofften naturschutzfachlichen Vorteile durch Verdrängungseffekte aufgezehrt werden. Das Netzwerk Holzenergie Forst als Mitglied im FVH mahnt daher, zu einer konstruktiven und sachgerechten Weiterentwicklung des FSC-Deutschland Standards zurückzufinden. Die Forst- und Holzenergie-Sektoren bieten auch weiterhin ihre Zusammenarbeit an, neueste wissenschaftliche Ansätze und die gesammelten Erfahrungen aus der Praxis mit in den Revisionsprozess einfließen zu lassen. Bislang wurden die Einbringungen jedoch geflissentlich ignoriert.

Autor:
Holzi am 30. Jun. 2016 um 08:14 Uhr
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