Das Thünen - Kompetenzzentrum Holzherkünfte



Das Thünen-Institut bearbeitet bereits gegenwärtig bis zu 400 Anfragen zur Holzartenbestimmung im Jahr und untersucht dabei mehr als 1.000 Proben. Mit der EU-Holzhandelsverordnung wird diese Zahl stark ansteigen. Grund genug, das Wissen von vier Thünen-Fachinstitute in in einem Kompetenzzentrum zu bündeln. Bei bis zu 800
unterschiedlichen Holzarten, die regelmäßig gehandelt werden, ist es für die Zollbehörden schon jetzt schwierig, illegale Holzarten zweifelsfrei als solche zu erkennen. Zudem drängen immer neue, relativ unbekannte Hölzer („lesser known species“) auf den Markt, die übernutzte Baumarten wie zum Beispiel Meranti und Sipo für den Fensterbau oder Bangkirai für Terrassendielen ersetzen. „Neue“ und sogar geschützte Holzarten kommen aber auch in Haushaltsartike ln wie Schneidebrettern, Kinderspielzeug und Kleinmöbeln vor.

Welche Aufgaben übernimmt das Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte?
Das Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte weist Herkunft und Art von Holz und Holzprodukten zweifelsfrei nach. Dabei kann das Zentrum auf eine der weltweit größten wissenschaftlichen Holzsammlungen (Xylothek) mit ca. 37.500 Mustern und 50.000 Präparaten zurückgreifen. Diese sind das Referenzmaterial für die makroskopische und mikroskopische Bestimmung von Hölzern und für den Aufbau einer genetischen Datenbank, die für den genetischen Holzarten- und Herkunftsnachweis benötigt wird (s.u.). Das vorhandene Know-how ermöglicht es, die Holzgattungund im Einzelfall auch die Art innerhalb von 30 Minuten zu bestimmen. In seltenen Fällen, d.h. bei relativ unbekannten Hölzern, kann die Artbestimmung einige Tage dauern. Darüber hinaus soll das Zentrum im Rahmen von internationalen Kooperationen Wissenschaftler aus holzproduzierenden Ländern ausbilden und in Afrika und Russland beim Aufbau genetischer Referenzlabore unterstützen. Diese sollen zukünftig einen Teil der Kontrollen vor Ort durchführen.

Wer wendet sich an das Kompetenzzentrum?
Die Anfragen kommen aus dem Bereich des Holzhandels (ca. 75 % Holzhandelsunternehmen und Discounter) und der Warenkontrolle (ca. 15 % Zoll und Naturschutzbehörden). Zunehmend fragen auch verunsicherte Verbraucher (ca. 10 %) nach, beispielsweise ob es sich bei der als Meranti deklarierten Fensterkantel zweifelsfrei um Meranti handelt.

Welche Methoden der Holzart- und Holzherkunftsbestimmung gibt es?
Makroskopische Holzartenbestimmung:
Diese Methode eignet sich für eine erste zuverlässige Einschätzung, ob es sich um die richtig deklarierte Holzart oder Handelsbezeichnung handelt. Für die makroskopische Bestimmung werden die Querschnitte der Proben angeschnitten und die Strukturmerkmale mit einer Lupe (10- bis 12-fache Vergrößerung) untersucht. Wichtige Handelshölzer können so bereits sicher auf Gattung- bzw. Artniveau bestimmt werden.

Mikroskopische Holzartenbestimmung:
Für offizielle belastbare Gutachten, die auch vor Gericht standhalten, führt das Zentrum zusätzlich mikroskopische Analysen durch. Dazu stellen die Wissenschaftler mikroskopische Schnitte von den zu untersuchenden Proben her. Unter dem Lichtmikroskop werden die Hölzer anhand von ca. 100 anatomischen Strukturmerkmalen verglichen und sicher auf Gattungsebene bzw. Art bestimmt. Die mikroskopischen Techniken können erfolgreich für die Bestimmung von allen Massivhölzern bis hin zu sehr dünnen Furnierlagen (Schichtdicken unter 0,15 mm) eingesetzt werden.

Genetische Holzarten- und Holzherkunftsbestimmung:
Zur artgenauen Identifizierung der Hölzer entwickelt das Thünen-Institut für Forstgenetik praxistaugliche Testverfahren auf der Basis molekularer Marker. Mit Hilfe dieser genetischen Barcodes lassen sich auch einige Arten identifizieren, die mit den anderen Methoden nur schwer unterscheidbar sind. Zur Bestimmung der Herkunft eines Holzes erfassen die Wissenschaftler zunächst das räumlichgenetische Muster der Bäume in einem Zielgebiet. Dies können das Verbreitungsgebiet einer Baumart, bestimmte Regionen eines Landes oder eine noch kleinere räumliche Einheit sein. Die Wissenschaftler sammeln für jede Baumart in der jeweiligen Zielregion Stichproben und untersuchen diese anschließend mit modernen Genmarkern. Die so ermittelten Daten zur geographischgenetischen Struktur bilden Referenzdaten für die Zuordnung der Holzproben. Hiermit kann überprüft werden, ob Angaben zu Ursprungsland und -region, zum Teil sogar bis auf 30 km genau, richtig sind. Dabei gilt: Je höher die Qualität der genetischen Referenzdaten, je höher die Zahl der Stichproben und je variantenreicher die Genmarker, desto genauer kann die Herkunft bestimmt werden.
Als fälschungssichere genetische Methode wird zudem ein Verfahren angeboten, bei dem während der Holzernte Proben genommen werden. An beliebiger Stelle in der Handelskette lässt sich dann mit einer Zweitprobe die genetische Übereinstimmung feststellen. Hiermit lassen sich schriftliche Dokumente zur Verarbeitungs- und Handelskette absichern.

Weitere Methoden zur Herkunftsbestimmung:
Die Herkunft lässt sich auch mit sogenannten „stabilen Isotopen“ bestimmen. Dabei handelt es sich um die Messung natürlicher Variationen normaler Elemente wie Sauerstoff, Wasserstoff oder Kohlenstoff. Diese Variationen unterscheiden sich in ihrer regionalen Verbreitung und werden von den Bäumen beim Wachstum aufgenommen. Aus der Messung und dem Vergleich mit Referenzdaten lässt sich daher die regionale Herkunft des Holzes bestimmen. Die Isotopenmethode wird bereits routinemäßig bei Lebensmitteln angewandt. Das Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte wendet diese Methode selbst nicht an, hat aber entsprechende Partner, an die Proben bei Bedarf weitergeleitet werden können.

Wie viele der genommenen Proben sind tatsächlich illegal?
Von den mikroskopisch untersuchten Proben sind etwa 35 bis 45 % falsch deklariert, jedoch werden in vielen Fällen Muster vom Holzhandel eingesandt,bei denen schon der Verdacht einer Falschdeklaration besteht. Bei dem bisher genetisch untersuchten Material beträgt die Quote der Falschdeklarationen zu Art und/oder Herkunft ca. 10 bis 25 %.
Autor:
Holzi am 14. Mär. 2013 um 10:07 Uhr
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