Tischler aus Reichelsheim holt Designpreis



Tim Lautenschläger holt den „Bad Wildunger Designpreis“ nach Reichelsheim (Wetterau). Der frisch gebackene Tischlermeister hat die Jury der Holzfachschule Bad Wildungen mit seinem Meisterstück voll überzeugt. Lautenschläger hat ein kubistisches Medien-Möbelstück gebaut.
kubistisches Medien-Möbelstück holt den Bad Wildunger Designpreis
Der 39-Jährige aus Reichelsheim ist einer von 21 Jungmeistern, die an der Holzfachschule Bad Wildungen ihre Fortbildung absolviert haben. Ein halbes Jahr hatten sie sich auf den theoretischen und praktischen Teil der Prüfung vorbereitet. Am Wochenende nahm eine Prüfungskommission der Handwerkskammer Kassel die „Meisterwerke“ genau unter die Lupe – und vergab 15 von 21 angetretenen Nachwuchsfachkräften die begehrten Titel.

Anschließend bewertete die Jury der Holzfachschule die Stücke unter dem Blickwinkel der Gestaltung und vergab den 2002 ins Leben gerufenen „Wildunger Designpreis“. Nach Auswertung aller Kriterien gab es einen eindeutigen Sieger. Das Medienmöbel von Tim Lautenschläger begeisterte sowohl die Jury als auch am nächsten Tag das Publikum durch seine konsequente Umsetzung des kubistischen Entwurfs. Die harmonische, aber doch spannungsvolle Aufteilung der Front sowie die sich dahinter verbergenden Details überzeugten. Kein Griff stört die Klappen und Schubladenvorderstücke, diese Elemente werden über farbig abgesetzte Drucktasten ferngelenkt. „Die gestalterische Konsequenz wurde bis zum selbst gefertigten pneumatischen Klappenhalter durchgehalten“, begründete Jury-Mitglied Karsten Mrzyglod die Entscheidung.

Tim Lautenschläger ist froh und überrascht über die Auszeichnung, wie er am Sonntag sagte. „Die Konkurrenz war stark, meine Mitschüler haben alle tolle Meisterstücke eingereicht. Umso mehr freue ich mich, dass ich den „Wildunger Designpreis“ gewonnen habe.“ Lautenschläger war 12 Jahre Vertriebler im IT-Bereich, bevor er sich entschloss, sein Leben zu ändern und 2011 die Ausbildung zum Tischler anzutreten. „Ich war nicht glücklich mit meinem damaligen Beruf, jetzt ist das anders: Am Ende des Tages sehe ich ein Ergebnis, als Tischler habe ich meine Bestimmung gefunden“, erklärte Lautenschläger zufrieden. Sein Meisterstück habe er im selben geradlinigen Design wie sein Gesellenstück gebaut, das kubistische Medien-Möbel mit eingerücktem Korpus biete nun Platz für TV und Elektronik, aber auch für die Spielsachen seiner beiden Kinder.

Platz 2 wurde an David Thurmond aus Linden für sein Flurmöbel vergeben. Marc Michel bekam für sein Meisterstück, eine Anrichte, Platz 3 des Wildunger Designpreises. Einen Sonderpreis für „Entertainment“ lobte die Jury für Jan Schäfer aus Kassel aus.

Bei der „Meisterwerke“-Ausstellung in der Holzfachschule Bad Wildungen war erneut ein breites Spektrum aus den Bereichen Innenausbau und Möbelfertigung zu sehen. Mehrere Meister haben das Thema Hängemöbel auf unterschiedliche Art und Weise interpretiert. Vom hölzernen Waschbecken als Bestanteil einer Badeinrichtung bis zum klassischen Flurmöbel mit Aufbewahrungs- und Sitzfunktion gab es wieder zahlreiche gelungene Umsetzungen und Detaillösungen zu entdecken.

Mehr als 150 Gäste überzeugten sich von der Leistungsfähigkeit der Jungmeister. Und die kann sich sehen lassen – national wie international, meinte Reinhard Nau, Landesinnungsmeister des Landesinnungsverbandes des hessischen Tischlerhandwerks. „Wir haben die jüngste Wirtschaftskrise nur deswegen so gut überstanden, weil Deutschland von mittelständischen Handwerksbetrieben geprägt ist, die hohe Qualität liefern“, betonte Nau. Wichtige Voraussetzung dafür sei die Meisterfortbildung. Eine anspruchsvolle Qualifizierung, auf die die Absolventen der Holzfachschule mit Recht stolz sein könnten.

Mit Blick auf die Internationalisierung von Berufsabschlüssen machte sich auch Michael Bücking, Stv. Schulleiter der Holzfachschule Bad Wildungen, für das bestehende System stark. „Statt darüber nachzudenken, wie man sich in Deutschland den schlechteren handwerklichen Standards in Europa annähert, sollten wir gemeinsam überlegen, wie es uns gelingt, den Meisterbrief europafähig zu machen“, sagt er. Zusammen mit Landesinnungsmeister Nau befürwortet Bücking, das Kürzel „me“ als offizielle Berufsabkürzung für den Meistertitel durchgängig anzuwenden. „Das wäre ein wichtiges politisches Signal“, sagt er.

Autor:
Holzi am 18. Apr. 2014 um 07:11 Uhr
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