Pfleiderer spürt Finanzkrise



In einem sich eintrübenden Marktumfeld konnte die im MDAX notierte Pfleiderer AG (ISIN DE0006764749) ihre Position weiter ausbauen und Marktanteile gewinnen, auch wenn die ursprünglich definierten Umsatz- und Ergebnisziele nicht erreicht wurden. Im Jahr 2008 schrumpften die Holzwerkstoff-Märkte in allen Absatzregionen, was bei der Mehrzahl der Produkte auch zu nachgebenden Preisen führte. Der Konzernumsatz nahm daher leicht um 3,6% auf 1.735,9 (Vorjahr 1.801,1) Mio. Euro ab. Das Ergebnis vor Zinsen, Ertragsteuern und Abschreibungen (EBITDA) verzeichnete einen Rückgang auf 223,7 (Vorjahr 248,7) Mio. Euro. Damit sank die EBITDA-Marge leicht von 13,8% auf 12,9%. Während dieser Margenrückgang weitestgehend Osteuropa geschuldet ist, konnte die Region Westeuropa neue Rekordmargen erwirtschaften. Das Unternehmen hat durch frühzeitig initiierte Kosteneffizienzprogramme seine Hausaufgaben gemacht und rund 80 Mio. Euro Kostensenkungen realisiert, deutlich mehr als ursprünglich avisiert. Damit sowie dank einer soliden Finanzstruktur mit einer Eigenkapitalquote von 37,7% und einem Verschuldungsgrad von 0,9 sieht sich das Unternehmen für die schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen in 2009 gerüstet.

„Der Pfleiderer-Konzern hat 2008 mit einem Umsatz von knapp 1,74 Mrd. Euro und einer EBITDA-Marge von 12,9% im Industrievergleich respektable Kennzahlen erreicht. Angesichts der Tatsache, dass es uns gelungen ist, die Kostenbasis um 80 Mio. Euro zu senken, und dank einer soliden Bilanzstruktur sehen wir uns vorbereitet für ein schwieriges Geschäftsjahr 2009. Im Wettbewerb sind wir überzeugt, weiter Marktanteile zu gewinnen, sodass Pfleiderer gestärkt aus dieser Krise hervorgehen wird“, kommentiert Hans H. Overdiek, Vorstandsvorsitzender der Pfleiderer AG, die aktuelle Geschäftsentwicklung.

EBITDA mit 224 Mio. Euro nahezu auf Vorjahresniveau

Mehr als die Hälfte des Umsatzrückgangs von 65 Mio. Euro in 2008 ist auf die Werksschließung im kanadischen La Baie zurückzuführen. Umsatz erhöhend wirkten dagegen die erstmalige ganzjährige Einbeziehung von Pergo (41,8 Mio. Euro), positive Wechselkurseffekte (17,4 Mio. Euro) und der Umsatz des neuen Spanplattenwerks in Moncure (North Carolina) in den USA (10,4 Mio. Euro). Aufgrund des leicht rückläufigen Umsatzes und gestiegener Rohstoffkosten, die nur zum Teil an Kunden weitergegeben und nicht vollständig durch Sparmaßnahmen kompensiert werden konnten, nahm das EBITDA von 248,7 Mio. Euro auf 223,7 Mio. Euro ab. Die EBITDA-Marge sank entsprechend von 13,8% auf 12,9%. Neben leicht gestiegenen regulären Abschreibungen wurden 2008 außerplanmäßige Abschreibungen in Höhe von 13,8 Mio. Euro vorgenommen, die vor allem im Zusammenhang mit der Werksverlagerung von La Baie nach Moncure stehen. Daher reduzierte sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 136,8 Mio. Euro auf 97,6 Mio. Euro. Das Finanzergebnis verschlechterte sich im Berichtsjahr bedingt durch Aufwendungen von 28,4 Mio. Euro aus der Marktpreisbewertung von Währungs- (15,5 Mio. Euro) und Zinssicherungen (4,1 Mio. Euro) sowie aus der Stichtagsbewertung von Finanzpositionen in Fremdwährung von -46,0 Mio. Euro auf -80,0 Mio. Euro. Damit sank das Ergebnis aus fortzuführenden Aktivitäten vor Ertragsteuern von 90,6 Mio. Euro auf 17,6 Mio. Euro. Das Ergebnis je Aktie aus fortzuführenden Aktivitäten beträgt damit für das Geschäftsjahr 2008 0,24 (Vorjahr 1,00) Euro.

Marktanteil in Westeuropa nochmals gesteigert – Rekord bei Ergebnismarge

Die Region Westeuropa blieb auch im Geschäftsjahr 2008 mit einem Umsatzanteil von 53,4% die wichtigste Ertragssäule des Konzerns. Dank der guten Marktpositionierung konnte der Umsatzrückgang trotz deutlich einsetzender Rezession zum Jahresende mit vergleichsweise moderaten minus 4% auf 945,8 Mio. Euro begrenzt werden. Ursächlich hierfür waren zum einen rückläufige Preise bei Rohspanplatten sowie Hochdichten (HDF) und Mitteldichten Faserplatten (MDF), aber auch Mengenrückgänge bei HDF-/MDF-Platten. Positiv entwickelte sich dagegen der Absatz von beschichteten Platten, der nochmals gesteigert werden konnte. Das Geschäft mit Laminatfußböden in Europa blieb im Jahr 2008 infolge von Überkapazitäten weiter schwierig, das Hochpreissegment der Pfleiderer-Marke Pergo schnitt hier jedoch besser als der Wettbewerb ab. Das EBIT stieg in Westeuropa im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 112,5 (Vorjahr 110,0) Mio. Euro. Die EBIT-Marge verbesserte sich von 11,1% auf 11,9% und verzeichnete damit erneut einen Rekordwert. Wichtige Gründe für diese Gewinnsteigerung waren der zunehmende Anteil margenstarker Produkte im Pfleiderer-Portfolio und die deutlich verbesserte Produktivität infolge der in den vergangenen Jahren durchgeführten Strukturmaßnahmen. Striktes Kostenmanagement trug ebenfalls zur Gewinnsteigerung bei.

Osteuropa weiter auf Expansionskurs

Im Berichtsjahr entwickelte sich das Geschäft in der Region Osteuropa in den Märkten Polen und Russland sehr unterschiedlich. Während in Russland die Nachfrage- und Ergebnissituation ausgezeichnet war, agierten die polnischen Werke in einem schwierigen Marktumfeld. Über weite Strecken belastete der starke Z³oty die Exportchancen der Kunden, die überwiegend in der Möbelindustrie angesiedelt sind und den Großteil ihrer Produktion nach Westeuropa exportieren. Die Nachfrage der polnischen Möbelindustrie nach Spanplatten lag im Jahr 2008 daher rund 15% unter Vorjahr. Zudem drückten Überkapazitäten auf die Preise für Spanplatten und MDF. Die Aktivitäten in Russland entwickelten sich dagegen sehr erfreulich. So konnten sowohl die Absatzmengen deutlich gesteigert, als auch die gestiegenen Rohstoffkosten in vollem Umfang an die Kunden weitergegeben werden. Trotz der schwierigen Marktlage in Polen hat Pfleiderer 2008 den Umsatz in der Region Osteuropa um 7% auf 420,3 Mio. Euro ausgebaut. Das Wachstum resultierte aus dem neuen MDF-Werk in Polen, aus Wechselkurseffekten sowie aus Kapazitätserweiterungen in Russland. Das Segment-EBIT ging jedoch um 22,9 Mio. Euro auf 28,9 Mio. Euro zurück. Der Rückgang basierte zum einen auf gestiegenen Rohstoffkosten, zum anderen auf dem Preisdruck bei MDF- und Spanplatten auf dem polnischen Markt. Um dem Kostendruck und dem Preisverfall zu begegnen, wurden umfangreiche Kostensenkungsmaßnahmen umgesetzt, die 2008 zu Einsparungen von rund 27 Mio. Euro führten.

Bereinigtes Ergebnis in Nordamerika deutlich verbessert

Die Geschäftsentwicklung in Nordamerika war 2008 von der Immobilienund Finanzmarktkrise geprägt. In diesem schwierigen Umfeld hielt sich das Absatzvolumen dank des neu erworbenen Werks in Moncure dennoch nahezu auf dem Niveau des Vorjahres, obwohl der Standort La Baie stillgelegt wurde. Die Marktanteile bei Spanplatten und Laminatfußböden konnten nochmals ausgebaut werden. Während der Markt bei Laminatfußböden einen Rückgang um 15% aufwies, konnte Pergo mehr als 24% zulegen. Der Umsatzrückgang des Nordamerikageschäfts um rund 9% auf 404,9 Mio. Euro beruhte auf Wechselkurseffekten und der Schließung des Standorts La Baie. Vergleichbar gerechnet stieg der Umsatz um 2%. Aufgrund von Überkapazitäten war es bei Platten kaum möglich, die stark gestiegenen Rohstoffkosten an Kunden weiterzugeben, was bei Laminatfußböden hingegen teilweise gelang. Angesichts des ungünstigen Marktumfelds und Sonderabschreibungen in Höhe von 13,8 Mio. Euro hauptsächlich im Zusammenhang mit der Verlagerung des Werks La Baie sank das EBIT von -15,5 Mio. Euro auf -20,2 Mio. Euro. Der Anstieg des um diese Sonderabschreibungen bereinigten EBIT resultierte aus Kosteneinsparungen, einer besseren Positionierung bei Kunden und dem negativen Unterschiedsbetrag aus der Kaufpreisallokation für die Akquisition des Standorts Moncure. Pfleiderer wird seine Kostenposition durch die Verlagerung des MDF-Werks nach Moncure deutlich verbessern. Dort kommen dem Unternehmen niedrigere Holzpreise und Transportkosten sowie das fehlende Wechselkursrisiko zugute. Der Produktionsstart ist abhängig von der Marktlage und derzeit für das 4. Quartal 2009 geplant.

Deutlicher Anstieg beim Cashflow, solide Finanzausstattung und Bilanzstruktur

Dank des effizienten Managements des Umlaufvermögens entwickelte sich der Cashflow im Pfleiderer-Konzern auch im Jahre 2008 sehr erfreulich. So stieg der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit um 30,4 Mio. Euro auf 228,4 Mio. Euro. Dieser hohe Mittelzufluss ermöglichte es, erneut Investitionen und Akquisitionen in Höhe von 189,3 Mio. Euro (Vorjahr 574,7 Mio. Euro) zu realisieren. Der Konzern verfügt unter anderem dank der Begebung eines Schuldscheindarlehens über 165,0 Mio. Euro zu günstigen Konditionen über eine solide Finanzausstattung. Die Eigenkapitalquote lag Ende 2008 bei sehr guten 37,7%. Die Nettoverschuldung stieg gegenüber dem 31. Dezember 2007 um 17,3 Mio. Euro auf 635,5 Mio. Euro. Vor dem Hintergrund der globalen Rezession, die auch die Holzwerkstoff-Märkte in Mitleidenschaft zieht, rechnet Pfleiderer für 2009 mit einer schwierigen Geschäftsentwicklung. In nahezu allen Märkten dürfte es sowohl zu Preis- als auch Mengenrückgängen kommen, die jedoch in Teilen durch eine gute relative Kostenposition über Marktanteilsgewinne kompensiert werden sollen. Angesichts dieser Rahmenbedingungen wird striktes Kosten- und Cashflow-Management im Jahr 2009 oberste Priorität haben. Kostenseitig werden die 2008 begonnenen Maßnahmen fortgeführt, sie sollen zu weiteren spürbaren Einsparungen beitragen. Positiv für Pfleiderer wird sich der weitere Hochlauf des neuen MDF-Werks im polnischen Grajewo auswirken. Gleiches gilt für die zusätzlichen Kapazitäten, die in der zweiten Jahreshälfte 2008 in Novgorod/Russland geschaffen wurden. Die polnischen Werke dürften darüber hinaus von einem wieder schwächeren Zloty profitieren. Für Westeuropa wird eine Abkühlung der Nachfrage prognostiziert. Durch eine kontinuierliche Verbesserung der Produktivität in allen Werken soll hier gegengesteuert werden. Nordamerika wird 2009 weiterhin alle Marktteilnehmer vor große Herausforderungen stellen, da durch die Immobilienkrise voraussichtlich im dritten Jahr in Folge der Markt für Holzwerkstoffe schrumpfen dürfte. Pfleiderer geht aber von einer Gewinnung von Marktanteilen und einem erhöhten Geschäftsvolumen durch das neue Werk in Moncure aus. Für das am 31. März endende 1. Quartal 2009 geht das Unternehmen gegenüber dem 4. Quartal 2008 von einem geringeren Umsatz und EBITDA aus.

Den Geschäftsbericht der Pfleiderer AG und weitere Informationen zum Unternehmen finden Sie auf der Website des Konzerns: www.pfleiderer.com

Autor:
Holzi am 02. Apr. 2009 um 08:31 Uhr
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