Klang – Architektur – Technik: Orgeltradition trifft auf moderne Wissenschaft



Das Steinbeis-Europa-Zentrum wurde am Freitag, den 27.09.2013 im Rahmen des Steinbeis-Tags mit dem Transferpreis der Steinbeis-Stiftung – Löhn-Preis in Stuttgart ausgezeichnet. Der Preis wird für herausragende Projekte im unternehmerischen Wissens- und Technologietransfer vergeben. Es erhält den Preis zusammen mit dem Steinbeis-Transferzentrum Angewandte Akustik, dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP und der Werkstätte für Orgelbau Mühleisen GmbH aus Leonberg für die langjährige Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Orgelforschung.

Das Steinbeis-Europa-Zentrum erhält den Preis zusammen mit dem Steinbeis-Transferzentrum Angewandte Akustik, dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP und der Werkstätte für Orgelbau Mühleisen GmbH aus Leonberg für die langjährige Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Orgelforschung. Eine große Rolle spielte hier die EU-Forschungsförderung. Achtmal stellte Steinbeis erfolgreich einen Antrag bei der Europäischen Kommission und erhielt jedes Mal den Zuschlag. Mit Unterstützung europäischer Fördergelder gelang es die Orgelforschung zu vertiefen.

„Ein europäisches Forschungsprojekt kann mit einer Orgel verglichen werden. Je nach Situation, je nach Partner oder Problemstellung muss man in der Lage sein das richtige Register zu ziehen, um das Projekt zum Erfolg zu bringen,“ weiß Dr. Jonathan Loeffler vom Steinbeis-Europa-Zentrum Karlsruhe, der die Projekte von Anfang an beim Projektmanagement begleitet. Das Steinbeis-Europa-Zentrum hat die Werkstätte für Orgelbau Mühleisen und die Forschungspartner bei bisher acht EU-Projekten beraten und in allen Projektphasen begleitet; von der Konzeption der Projektidee bis zu der Projektdurchführung. Ebenso hat es die Antragstellung, den Kontakt mit der Europäischen Kommission, die Finanzierung sowie die Aspekte der geistlichen Eigentumsrechte übernommen. In den EU-Projekten arbeiten zehn Partner aus acht verschiedenen Ländern zusammen.

„Orgelbauer sind faszinierende Menschen mit profunden Kenntnissen in technischen Bereichen wie z.B. der Holz - und Metallbearbeitung sowie in der Akustik. Sie haben eine künstlerische Seite mit einem großen Wissen über Musik, Kultur und Traditionen. Und sie sind Entrepreneur, für die die Qualität das höchste Gut ist, “ sagt Loeffler. „Hinzu kommt, dass in den EU-Projekten das traditionelle und innovative Potenzial aus verschiedenen europäischen Ländern zusammenfließt.
Diese hohe Qualität schlägt sich auch in den detaillierten Forschungsarbeiten des internationalen Konsortiums nieder.“

Klang – Architektur – Technik, in der Schnittmenge dieser Begriffe steht das Phänomen Orgel mit all seinen Facetten. Mit der Orgel als einem der vielseitigsten Musikinstrumente weltweit trifft traditionelles Handwerk auf Wissenschaft. Die Orgelforschung stellt sich der Herausforderung, dieses Handwerk im Hochpreissegment mit modernster Wissenschaft und neuen Technologien zusammenzubringen. In acht europäischen Forschungsprojekten, die das Steinbeis-Europa-Zentrum (SEZ) koordinierte, haben die Werkstätte für Orgelbau Mühleisen GmbH, das Steinbeis-Transferzentrum Angewandte Akustik, das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) und das SEZ erfolgreich zusammengearbeitet. Ziel war es, das traditionelle Windsystem – der Teil der Orgel, der ihren Klang nachhaltig beeinflusst – besser planen und optimierter dimensionieren zu können. Der Orgelbau ist keine Massenproduktion, jede Orgel ist ein Unikat mit einem einzigartigen Klang, und sollte speziell für den Raum optimiert werden, in dem sie später stehen wird.

Wissenschaftliche Methoden der Akustikforschung helfen, die Orgel so zu konstruieren, dass ihr Klang optimal auf die Raumakustik abgestimmt ist und so voll zur Geltung kommt. Neben der Optimierung des bestehenden Windsystems hatten die Projektpartner das Ziel, neue Windsysteme zu entwickeln, die entweder durch eine verbesserte mechanische Regulierungseinrichtung oder ein elektronisches Steuerungssystem einen störungsfreien Betrieb der Orgel gewährleisten. Im Labor des Fraunhofer IBP wurden zusammen mit dem Steinbeis-Transferzentrum Angewandte Akustik die wichtigsten Elemente eines Windsystems einzeln auf ihre strömungs-technischen und akustischen Eigenschaften hin untersucht. Durch die Entwicklung mechanisch sowie elektronisch gesteuerter Auslassventile können die Orgelbauer das Winddruckverhalten nun besser steuern. Es wurde eine Software entwickelt, mit der sowohl traditionelle als auch neuartige Windsysteme optimiert entworfen und darüber hinaus bei gleichzeitiger Verbesserung der Klangqualität auch die Produktionskosten um 15 bis 20% gesenkt werden können. Kern der Software ist ein physikalisches Modell, in dem die strömungstechnischen Vorgänge im Windsystem und das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten beschrieben werden.

Das neu entwickelte System wird bereits erfolgreich von Orgelbauunternehmen in der Praxis eingesetzt. Die Ergebnisse aus den Forschungsprojekten sind darüber hinaus gebündelt in die am Fraunhofer IBP stehende Forschungsorgel geflossen. Orgelbau Mühleisen, Fraunhofer und Steinbeis haben hier ein gläsernes Instrument geschaffen, das der Wissenschaft zu Forschungszwecken dient – weltweit einzigartig.

Autor:
Holzi am 04. Okt. 2013 um 04:34 Uhr
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