SDW für Naturschutz und Nutzung auf einer Fläche



Die deutsche Forstwirtschaft verpflichtet sich seit Jahrhunderten dem Nachhal­tigkeitsgedanken - mehr noch: Sie hat ihn geprägt. Schon deshalb wird nachhaltiges Han­deln im Wald regelmäßig kritischen Prüfungen unterzogen. So auch im Rahmen der dritten Bundeswaldinventur (BWI³), deren überaus erfreuliche Ergebnisse der zuständige Bundes­minister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt heute in Berlin im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorstellte.

Das Grundprinzip der Nachhaltigkeit nur maximal so viel Holz zu ernten, wie auch nach­wächst, wurde bereits vor rund 300 Jahren erstmals von einem sächsischer Berg- und Forst­mann formuliert. Über die gesamte Bundesrepublik betrachtet wird diese Forderung heute erfüllt. Christoph Rullmann, Bundesgeschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), kommentiert: „Die Nutzung von 98% des Zuwachses in den Landeswäldern und in den Privatwäldern über 20 Hektar sind für die SDW aber ein Grund, diese Entwicklung zu beobachten, um einer Trendwende hin zur Übernutzung vorzubeugen. Dennoch freuen wir uns über das Gesamtergebnis der dritten Bundeswaldinventur.“

Naturnahe Waldwirtschaft setzt sich durch: Der Inventurbericht dokumentiert, dass der von der SDW seit langem geforderte Umbau unserer Wälder hin zu naturnahen, strukturreichen und klimastabilen Mischwäldern nun auch auf der Fläche sichtbar wird. So ist der Anteil an Laubbäumen um 7% gewachsen, während sich der Anteil von Nadelbäumen um 4% verrin­gert hat. Zudem sind die Bäume heute im Durchschnitt 77 Jahre alt, also etwa viereinhalb Jahre älter als noch zuvor. 14% aller Bäume sind sogar älter als 120 Jahre und damit beson­ders wertvoll für Artenvielfalt und Naturschutz.

Mehr Naturschutz im Wald belegt: Der Natur ebenfalls zugutekommt die deutliche Zunahme des Totholzanteils um 18%. Dabei handelt es sich um stehende und liegende Bäume, die bereits abgestorben sind und in ihrem Zerfallsprozess einer Vielzahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum dienen. Rechnet man noch die rund eine Million Biotopschutzbäume hinzu, kann man feststellen, dass der richtige Weg eingeschlagen ist. Allerdings wird im Detail zu prüfen sein, ob dieses Plus für den Naturschutz auf der gesamten Waldfläche erreicht wurde oder nur punktuell. Für uns als SDW ist es wichtig, dass Natur­schutz und Nutzung im Wald Hand in Hand gehen und nicht eine Aufteilung in Wirt­schaftswald und Naturschutzwald erfolgt.

Rückgang der Fichte wird „Fremdländerdebatte“ weiter entfachen: Die Inventurdaten dokumentieren einen Rückgang der Fichte um 4%. Stürme wie der Orkan Kyrill haben aufge­zeigt, dass sie dem Klimawandel vielerorts nicht gewachsen ist. Darum setzen viele Waldbe­sitzer mehr und mehr auf nicht heimische Baumarten wie die Douglasie, deren Anteil seit der letzten BWI um 19% zugenommen hat. Dieser Sachverhalt wird die Diskussion der Akteure aus Forstwirtschaft und Naturschutz weiter forcieren.

Autor:
Holzi am 09. Okt. 2014 um 04:17 Uhr
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