Staat muss bei Forstarbeiten eigene Vergaberegeln umsetzen



Die Forstgewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) fordert Bund , Länder und Kommunen auf, sich bei der Vergabe von Arbeiten im Wald an ihre eigenen Gesetze zu halten. Die meisten Bundesländer haben für öffentliche Aufträge Vergabegesetze erlassen. Gleichzeitig beachtet die öffentliche Hand als größter Waldbesitzer Deutschlands selbst nicht immer die Regeln und vergibt Werkverträge in der Forstwirtschaft, bei denen die Beschäftigten nicht einmal den vorgesehenen Mindestlohn erhalten.

„Wir fordern auch im Forst: Faire Arbeit Jetzt! Die Umgehung des Mindestlohns durch die öffentliche Hand muss ein Ende haben. Mit gutem Grund wurden die Vergabegesetze verabschiedet. Sie sollen einen Wettbewerb über Dumpinglöhne verhindern“, sagte der IG BAU-Bundesvorsitzende Robert Feiger anlässlich der internationalen Leitmesse INTERFORST auf der die IG BAU mit einem eigenen Stand vertreten ist. „Wenn sich schon der Staat nicht an die eigenen Regeln hält, wer wird sie dann befolgen?“

Bei Vergaben erhalten Drittfirmen einen Werkvertrag für Forstarbeiten. Sie bezahlen ihren Beschäftigten aber teilweise nicht einmal die Hälfte des im Vergabegesetz festgelegten Mindestlohns. So haben jüngst Leiharbeiter im Landesbetrieb Forst Brandenburg nur 4,10 Euro statt der vorgeschriebenen 8,50 Euro Stundenlohn erhalten.

Die IG BAU kritisiert zudem, dass die öffentlichen Forstbetriebe Werkverträge nutzen, um Personal abzubauen. Beschäftigte werden in die Selbstständigkeit gedrängt, um dann für weniger Einkommen zu arbeiten. „Das ist Nötigung zur Scheinselbstständigkeit und widerspricht dem Allgemeininteresse“, sagte Feiger. „Der Staat trägt als Forstbesitzer nicht nur die Verantwortung für den Erhalt des Waldes, sondern auch für die Beschäftigten und er hat darüberhinaus eine Vorbildfunktion zu erfüllen.“

Skeptisch beurteilt die IG BAU zudem die zunehmende Technisierung bei der Holzernte. „Auf der INTERFORST-Messe sieht man sehr gut, wie stark im Wald inzwischen mit Maschinen gearbeitet wird. Leider kommt das nicht immer dem Wald und den dort Arbeitenden zu Gute“, sagte der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Harald Schaum anlässlich der gemeinsamen Sitzung des IG BAU-Bundesfachgruppenvorstands Forstwirtschaft und des erweiterten Vorstands der Bundesvertretung Beamte und Angestellte in Forst und Naturschutz auf der INTERFORST. „Wo intensiv Maschinen eingesetzt werden, müssen breitere Wege angelegt werden, Bäume nehmen schneller Schaden und der Boden wird stärker verdichtet. Zudem werden die Beschäftigten vermehrt in für Maschinen unzugänglichen Lagen eingesetzt. Das Arbeiten ist dort besonders kraftraubend, der Verschleiß größer.“

Bei aller Begeisterung für die auf der Messe vorgestellten Maschinen ruft die IG BAU deshalb dazu auf, die Fachkräfte und deren Qualifikation nicht zu vergessen und stellt einmal mehr den Menschen in den Mittelpunkt. „Die Forstwirtschaft darf nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Das Ökosystem Wald muss gepflegt und für nachfolgende Generationen erhalten werden. Für einen ökologisch intakten und wirtschaftlich nutzbaren Wald brauchen wir Fachkräfte“, sagte Schaum.

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Holzi am 21. Jul. 2014 um 11:18 Uhr
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